Fallout 4 für PS4 im Test

Im vierten Fallout schicken uns die Entwickler von Bethesda ins Ödland von Boston. Als einziger Überlebender eines Vaults müssen wir uns durch eine Welt voller Überraschungen kämpfen. Es liegt an uns, die Zukunft des Ödlands zu bestimmen – eine grosse Verantwortung! Fallout 4 gehört zu den meisterwarteten Spiele des Jahres, ob das Rollenspiel auch im Test überzeugen vermag, sagen wir euch auf den nächsten Zeilen. Eines sei euch aber schon hier gesagt, Fallout 4 bietet wiederum einen sehr grossen Umfang wenn ihr euch auf den Titel einlässt, lässt er euch in den nächsten Wochen, wenn nicht Monate, nicht mehr los.

fallout4_2

Die Story
Wir möchten euch nicht allzu viel von der Story verraten und euch dabei unnötig Spoilern. Wer keine Informationen zur Story erfahren möchte, sollte deshalb diesen Part unseres Testberichts einfach überspringen. Natürlich verraten wir auf den folgenden Zeilen nicht alles, aber es hat hier und da doch ein paar Hinweise dazu, was euch in Fallout 4 erwarten wird. Wer jetzt weiterlesen wird, wir haben euch davor gewarnt. 🙂

Zu Beginn können wir uns entscheiden, ob wir das Spiel als Frau oder Mann angehen möchten. Fallout 4 startet im Jahr 2077, erstmals noch vor der grossen Apokalypse. Wir erleben Boston in einer Zeit, in der noch alles in Ordnung war. Wir leben mit unserer Familie in der Vorstadt, inklusive Baby, Haustier und einem Hausroboter – der darf natürlich nicht fehlen. Bei uns an der Türe klingelt es, ein Vault-Tec-Mitarbeiter steht vor der Tür und will uns einen Platz in einem unterirdischen Atombunker schmackhaft machen. Wir schreiben den 23. Oktober 2077, wer schon frühere Ableger gespielt hat, der wird dieses Datum kennen. Es ist der 23. Oktober an dem der grosse Krieg Realität wird. Die USA, UdSSR und China starten ihre Atombombenangriffe. Glücklicherweise haben wir uns letztendlich doch noch für einen Platz in einem Vault entschieden, im Gegensatz zu anderen Menschen.

Unser Hausroboter macht uns auf die bevorstehende Katastrophe aufmerksam. Es ertönen die angsteinflössenden Sirenen und wir stürzen uns mit unserer Familie in einen Vault, der glücklicherweise gleich um die Ecke gebaut wurde. Davor stehen schon zahlreiche Menschen, die ebenfalls einen Platz im Vault haben möchten, sich aber nicht im Voraus dafür entschieden haben und fortgewiesen werden. Zum Glück haben wir uns letztendlich doch für einen Platz im Vault entschieden, sonst wären wir der atomaren Katastrophe ohne Schutz ausgesetzt.

200 Jahre nach der Katastrophe, wir schreiben das Jahr 2277, erwacht unser Spieler aus dem Kälteschlaf. Die Welt wie er sie kannte, gibt es nicht mehr. Wir begeben uns erstmals wieder an die „frische“ Luft und müssen mit Entsetzen feststellen, dass nichts mehr so ist wie es noch vor 200 Jahre der Fall war. Unser Häuschen in der Vorstadt von Boston ist nur noch eine Ruine und wir müssen uns gegen hässliche Kreaturen verteidigen. Es herrscht Menschenleere…

fallout4

Viele Nebenquests sorgen für Abwechslung
Während die Hauptstory leider nicht ganz das verspricht, was man sich erhofft, bieten dafür die vielen Nebenquests für umso mehr Abwechslung. Wir müssen dann beispielsweise fremden Leuten bei einem Auftrag weiterhelfen oder helfen bei Ausgrabungen. All diese Nebenquests sorgen für viel Abwechslung, da die Quests sehr unterschiedlich ausgefallen sind. Natürlich gibt es aber auch unter den Nebenquests manche Aufgaben, die leider nicht ganz so gut umgesetzt wurden. Vor allem die Aufgaben, welche wir innert einer vorgegeben Zeit absolvieren müssen, können für Frustmomente sorgen. Weshalb? Letztendlich ist nirgends wirklich ersichtlich, wie lange wir für die Aufgabe Zeit haben.. Nicht wirklich gut umgesetzt.

Nimmt man die Hauptstory und alle nötigen Nebenquests, so kommt man je nach Schwierigkeitsgrad auf ca. 40 Stunden. In dieser Zahl sind alle „optionalen“ Nebenquests nicht mit einberechnet. Heisst, ihr könnt euch auf zahlreiche Stunden im Ödland von Fallout 4 freuen!

fallout4_3

Das Highlight: Die Spielwelt!
Die Spielwelt ist für mich ganz klar das Highlight von Fallout 4! Das Ödland bietet extrem viele interessante Orte, die mit sehr viel Liebe zum Detail erstellt wurden. Auf unserer Reise durch das Ödland kommen wir an abgestürzten Flugzeugen, geheimen Militärstützpunkte, menschenleere Städte und vielem weiteren vorbei. Praktisch alle diese Gebäude lassen sich auch betreten, was wir euch auch nur wärmstens empfehlen können. Überall gibt es Gegenstände zu sammeln, die euch im Spiel weiterbringen werden.

Ab der ersten Minute, wo ihr euch aus dem Vault 111 begebt, könnt ihr euch theoretisch komplett frei bewegen. Doch eines sei euch gesagt, je weiter ihr euch in den Süden begebt, umso stärker und abgefahrener werden die Gegner. Es ist deshalb ratsam, sich zuerst auf das Gebiet rund um den Vault 111 zu konzentrieren. Der Rest der Welt, werdet ihr früh genug noch entdecken können.

fallout4_4

Nette Begleiter unterstützen euch
Relativ früh wird euch eine Begleitperson zur Seite gestellt, die irgendwie alle ein bisschen abgedreht sind. Gut in Erinnerung geblieben sind unter anderem die Roboter-Krankenschwester Curie, die ohne Zweifel sehr gerne flirtet, oder der Roboterdetektiv Nick Valentine. Insgesamt stehen euch im Spiel rund 13 Begleiter zur Seite, die alle auch eine mehr oder weniger interessante Geschichte zu erzählen haben. Kommt ihr mit dem Begleiter äusserst gut zurecht, erhaltet ihr als Gegenzug einen speziellen Perk. Bis es soweit ist, braucht es aber einige Zeit und ihr müsst unbedingt herausfinden, was für die Begleiter wichtig ist. Übrigens, die Begleiter können wir auch geschickt für das Entschärfen von Minen nutzen. Wird euer Begleiter getroffen, bleibt dieser für eine gewisse Zeit ausserbetrieb.

Aus unerklärlichen Gründen verschwinden die Begleiter aber teilweise einfach von der Bildfläche. Woran das liegt, können wir euch leider auch nicht sagen. Wir hoffen hier auf eine Nachbesserung in Form eines Patches.

Intelligentere KI-Gegner, gutes Kampfsystem
Befassen wir uns mal mit unseren KI-Gegnern. Grundsätzlich kann man sagen, dass die KI-Gegner deutlich intelligenter agieren als in Fallout 3. Die Gegner nehmen die Verfolgung auf und lassen euch nicht so schnell wieder in Ruhe, das gefällt uns ganz gut. Auch solltet ihr eure Powerrüstung nicht irgendwo stehen lassen, sonst kann es ganz gut sein, dass ein KI-Gegner die Rüstung einfach für sich nutzt. In der Gruppe agieren die Gegner aber nach wie vor nicht äusserst geschickt, das ist schade.

Richtig gut gefallen hat uns aber das Kampsystem. Für Fallout 4 haben die Entwickler die Steuerung grundlegend überarbeitet. Zum Waffenumfang komme ich gleich beim nächsten Punkt…

Waffen verbessern, dank umfangreichem Crafting-Tool
Nicht nur Häuser und Siedlungen lassen sich in Fallout 4 bauen, sondern auch verbesserte Waffen. An Werkbänken haben wir die Möglichkeit unsere Waffen mit verschiedenen Bauteilen zusammenzubauen. Das extrem umfangreiche Crafting-Tool lässt euch hier praktisch nach Lust und Laune an euren Waffen zu arbeiten. Dafür braucht es wiederum Ressourcen, die wir im Ödland finden. Sei es alte Öldosen, Klebebänder oder sonstiges Zeugs, all das können wir dazu nutzen, um unsere Waffen zu verbessern.

Da es praktisch überall im Ödland etwas zu sammeln gibt, ist euer Inventar immer wieder recht schnell gefüllt. Es empfiehlt sich deshalb, immer wieder bei sich zuhause das Inventar leeren zu gehen.

Siedlungen bauen a la The Sims
In Fallout 4 erhalten wir erstmals die Möglichkeit an bestimmten Stellen komplette Siedlungen zu bauen. Über ein Baumenü können wir neue Häuser oder sogar komplette Siedlungen bauen, ähnlich wie es in The Sims der Fall ist. Dank einem umfangreichen Crafting-Tool, lassen sich aus Zement, Holz, Stahl und weiteren Gegenstände viele neue Gegenstände entwickeln, wie beispielsweise Dächer, Wände, Lampen, Stromversorgungen, Geschütze und vieles mehr!

Leider ist die Steuerung des Baumenüs recht schwerfällig ausgefallen, weshalb es nicht immer einfach ist, die richtige Hauswand einzusetzen oder das richtige Möbelstück zu platzieren. Immerhin, bauen wir unser Haus gut, können auch feindliche Angriffe überstehen werden. Wer kein Fan von solchen Features ist, kann das bauen von Häusern auch einfach komplett weglassen – es ist nicht zwingend nötig, dass ihr euch mit diesem Feature befasst. Wer die schwerfällige Bedienung aber erst einmal in den Griff bekommen hat, der wird an diesem Feature aber definitiv Freude haben.

Grafik und Sound
Einen Kritikpunkt muss sich Bethesda bei der Grafik ankreiden lassen. Nicht nur, dass es hin und wieder zu Framerate-Einbrüchen kommt, sonst vor allem wegen den teilweise matschigen Texturen. Dafür kann sich aber die Weitsicht bei der PS4-Version sehen lassen, die es aber nicht ganz mit der PC-Version (Highend-PCs) mithalten kann. Der Effekt von Tag zu Nacht wurde hingegen sehr schön umgesetzt. Was nervt, und wir auf die Grafik-Engine zurückführen, sind die nervigen Ladezeiten. Wenn wir ein Gebäude betreten oder auch verlassen, gibt es Ladezeiten die für unseren Geschmack etwas zu lange ausfallen.

Soundtechnisch konnte uns Fallout 4 dafür auf ganzer Linie überzeugen. Der Soundtrack passt, die Waffensounds können sich auf jeden Fall hören lassen und die deutsche Sprachausgabe ist soweit auch gut. Leider ist aber die Sprachausgabe nicht wirklich lippensynchron, was etwas verwirren könnte.

Pro und Contras

  • umwerfende und schier unendliche Spielwelt
  • sehr viele Nebenquests
  • Waffenumfang / Crafting-Tool
  • toller Soundtrack
  • abgedrehte KI-Begleiter
  • keine tiefgründige Story
  • teils matschige Texturen
  • Framerate-Einbrüche / Clitching-Fehler
  • nervige Ladezeiten
  • schwerfälliger Bau-Modus

Wertung

Gameplay - 80%
Grafik - 75%
Sound - 90%
Story - 75%
Umfang - 100%

84%

Fallout 4 überzeugt durch die schier unendlich erscheinende Spielwelt, die extrem vieles zu bieten hat. Immer wieder gibt es etwas Neues im Ödland zu entdecken, das macht schlichtweg grossen Spass und lässt euch nicht so schnell wieder los. Auch der schier unendliche Umfang des Spiels, spricht auf jeden Fall für sich. Was uns leider aber enttäuscht hat, ist die Story. Die Story startet sehr interessant und mit viel Potenzial, flacht dann aber stark ab. Auch muss sich Bethesda so langsam aber sicher Gedanken zur Grafik-Engine machen, die einfach nicht mehr mit vergleichbaren Titeln mithalten kann. Das Argument der extrem grossen Spielwelt zählt nicht, es gibt andere Titel, die mindestens so einen Umfang bieten wie Fallout 4 und es besser machen. Wer über diese Kritikpunkte wegsehen kann, wird mit Fallout 4 definitiv einen Heidenspass haben und bekommt viel geboten. Ich begebe mich nun wieder ins Ödland und melde mich hiermit für die nächsten Wochen ab. 😉

User Rating: Be the first one !

Über Bruno Rivas

Gründer von PS3Blog.ch. Seit Jahren begeisterter und leidenschaftlicher Gamer. Spielt vorwiegend Sport-, Racing- und Shooter-Games. Du findest mich auch auf Google+, Facebook und Twitter

Auch interessant

Neuer Story-Trailer zu The Last of Us Part II veröffentlicht

Sony Interactive Entertainment hat einen neuen Trailer zum kommenden, PlayStation 4-exklusiven Action-Adventure The Last of …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.