DriveClub im Test – Der PS4-Racer schlechthin?

Mit fast einem Jahr Verspätung, ist der PS4-Racer DriveClub endlich im Handel erhältlich. Entwickelt wurde der Titel von den Evolution Studios, die bereits auf der PlayStation 3 mit der Motorstorm-Serie für Furore sorgten. Ja, Motorstorm ist eines dieser Spiele, die ich noch heute sehr gerne spiele. Die Grafik kann sich nach wie vor sehen lassen, obwohl das Spiel nun schon einige Jahre auf dem Buckel hat!

Gut, wir driften vom Thema ab: DriveClub! Mit DriveClub haben die Evolution Studios eine neue IP lanciert, die wie bereits erwähnt eigentlich vor fast einem Jahr hätte erscheinen sollen – zum Launch der PlayStation 4. Noch jetzt sind nicht ganz alle Features enthalten, werden aber in den kommenden Monaten kostenlos nachgereicht. Kann der PS4-Racer auch so der Konkurrenz das Wasser reichen? Und hat die zusätzliche Entwicklungszeit dem Titel gut getan? Nun gut, wir sagen es euch in unserem ausführlichen Test.

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DriveClub, was willst du sein – Arcade oder Simulation?
Irgendwie war mir bereits im Vorfeld nie ganz klar, wo sich DriveClub positionieren will – eher ein Arcade-Titel oder doch in Richtung Simulation wie die Gran Turismo-Reihe? Nun, auch nach den vielen Stunden die ich mit dem Titel verbracht habe, ist mir genau das noch nicht wirklich klar. DriveClub ist irgendwie etwas dazwischen – nicht wirklich Arcade, aber auch nicht wirklich ein Simulation-Racer.

Wie macht sich das bemerkbar? Ich denke, so ziemlich alle von euch haben schon einmal ein Need for Speed-Ableger gespielt. In Need for Speed tuschiert man immer wieder einmal die Leitplanken, die ich auch gerne als „Bremsmittel“ missbrauche. Will man in DriveClub die Leitplanken missbrauchen, muss man sich darauf gefasst machen, dass man sofort mehrere Sekunden verliert. Ein dosierter Umgang mit Gas und Bremse ist zumindest bei den höheren Fahrzeugklassen ein MUSS! In diesem Punkt zeigt sich DriveClub eher als Simulation. Hingegen, wirken sich Schäden am Fahrzeug nicht spürbar aufs Fahrverhalten aus, weshalb wir es dann wiederum eher mit einem Arcade-Titel zu tun haben.

Letztendlich kann man sagen, dass DriveClub Arcade und Simulation gekonnt kombiniert. Fans von Arcade- wie auch Simulation-Rennspielen werden an DriveClub Freude finden.

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Strafen, über Strafen – Das strenge Strafen-System
Wenn wir schon beim Thema „Simulation“ sind, möchten wir unbedingt das knallharte Strafen-System ansprechen. Fährt ihr „absichtlich“ in andere Fahrzeuge oder nehmt eine Abkürzung, warten auf euch teilweise recht harte Strafen. Die Strafen machen sich mit Tempostrafen oder im schlimmsten Fall mit drastischen Punkteabzügen bemerkbar.

Ärgerlich ist der Punkteabzug vor allem dann, wenn euch ein anderes Fahrzeug rammt und ihr trotzdem zur Rechenschaft gezogen werdet. Die Punkte bzw. die Rufpunkte benötigt ihr im Spiel um neue Fahrzeuge freizuschalten – also doppelt ärgerlich!

Auch sollte man die Rennstrecke nicht mit allen vier Reifen verlassen, da sonst ein Countdown (3 Sekunden) angezeigt wird. Kann das Fahrzeug in dieser Zeit nicht auf die Rennstrecke zurückmanövriert werden, werdet ihr automatisch zurückgesetzt. Immerhin ist man bei der Rücksetzung auf der Rennstrecke in Bewegung und muss nicht mit o km/h los fahren. Gut, man kann sich darüber streiten was sinnvoll ist und was nicht, diese Funktion ist aber definitiv NICHT sinnvoll.

Fahrhilfen, wie wir es beispielsweise aus Gran Turismo kennen, gibt es in DriveClub nicht. Anfänger können sich immerhin an den Fahnen bei den Kurven orientieren, die je nach Schwierigkeit eine andere Farbe haben.

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Die Tour  bzw. der Karriere-Modus
Die Evolution Studios bezeichnen den Karriere-Modus in DriveClub ganz einfach „Tour“. Bei der Tour fängt ihr in der Kompaktsportwagen-Klasse an und müsst euch dann mit verschiedenen Herausforderungen nach oben bis zur Hyperklasse zu kämpfen. Der Ablauf ist dabei immer derselbe: Ihr schreibt euch für eine Veranstaltungen ein, die dann aus einem bis drei Rennen besteht. Je mehr Punkte ihr holt, umso mehr Fahrzeuge und neue Herausforderungen können freigeschaltet werden. Für Abwechslung sorgen die Zeitrennen oder die Drift-Disziplinen. Dabei müsst ihr beispielsweise eine bestimmte Durchschnittsgeschwindigkeit oder eine bestimmte Drift-Punktzahl erreichen.

Im Verlaufe der Tour bekommt ihr es nicht nur mit schnelleren Fahrzeugen zu tun, sondern auch mit einer besseren KI. Die KI ist auf fünf Schwierigkeitsgrade eingestuft. Für Anfänger dürfte es also mit der Zeit ziemlich schwierig werden, die Ziele zu erreichen. Denn die KI ist teilweise extrem hart, wenn nicht sogar unfair!

Damit wären wir bereits beim nächsten Thema, die KI von DriveClub. In der Rookie-KI darf man sich noch zahlreiche Fehler leisten und erreicht trotzdem eine gute Platzierung. Etwas später, sagen wir ab dem Semi-Pro-Schwierigkeitsgrad, wird es dann aber schon verdammt schwierig. Die Gegner nutzen jeden noch so kleinen Fehler rigoros aus und gehen auch nicht wirklich zimperlich mit uns um. Rempler gehören da zur Tagesordnung. Die KI ist für unseren Geschmack etwas zu unausgewogen, in manchen Rennen kann man sich sehr viele Fehler erlauben und man erreicht noch die Top 3, in anderen Rennen ist man schon beim gefühlt ersten Fehler total abgeschlagen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Evolution Studios hier mit einem Patch nachbessern werden. Positiv ist immerhin, dass sich die Ladezeiten extrem kurz halten – knapp 20 Sekunden dauerte das Laden eines neuen Rennes. Ein sehr guter Wert!

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Kein Bock auf eine Karriere?
Nicht jeder will sich gleich mit der Tour auseinandersetzen. Deshalb haben die Entwickler auch den Einzelspieler-Modus „Einzelveranstaltung“ im Spiel integriert, womit man seine Veranstaltungen nach Lust und Laune selber zusammenstellen kann. Insgesamt können sich maximal 12 Fahrer (11 KI-Fahrer) auf den Rennstrecken gleichzeitig austoben und das über maximal 25 Runden. In diesem Modus kann die Uhrzeit, das Wetter und sogar die Menge an Zuschauer bestimmt werden.

Die Fahrzeuge können übrigens nicht getunt werden und optische Anpassungsmöglichkeiten sind sehr eingeschränkt.  Wenn wir schon bei den Fahrzeugen sind, ja da hätte ich mir ein paar Wagen mehr gewünscht. Insgesamt sind 50 Fahrzeuge enthalten, darunter auch richtig „geile“ und vor allem teure Boliden. Warum aber beispielsweise kein einziger Muscle-Car dabei ist, ist mir ein Rätsel. So gesehen sind unter den 50 Wagen keine wirklichen Überraschungen zu finden – eher Standardkost, wie wir es von anderen Rennspielen kennen.

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In da Club – Der Multiplayer-Modus
Ja da kam mir doch gleich 50 Cents Song „In da Club“ in den Sinn, der im 2003 ein Hit wurde. Worum geht es? In DriveClub können sogenannte Clubs gegründet werden, die aus maximal fünf Freunden besteht. Also insgesamt kann ein Club „nur“ 6 Personen enthalten. Im Spiel darf man nur einem einzigen Club angehören, dafür kann das Logo und die Farben frei zusammengestellt werden. Für unseren Geschmack aber eine ziemlich starke Einschränkung.

Mit euren Freunden im Club, könnt ihr dann zahlreiche Herausforderungen in Angriff nehmen und natürlich Multiplayer-Rennen starten. Selbstverständlich lassen sich auch eigene Veranstaltungen erstellen, in dem ihr anderen Spielen eure Ergebnisse  zur Verfügung stellt. Nicht wirklich überzeugend wie wir finden, schliesslich wurde das „Club-Feature“ auch gerne in Trailern angepriesen.

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Umwerfende und abwechslungsreiche Regionen/Länder
DriveClub bietet im Gegensatz zu anderen Rennspielen wie The Crew oder auch Need for Speed: Rivals keine offene Spielwelt. Dafür haben sich die Entwickler für insgesamt fünf umwerfende und abwechslungsreiche Regionen entschieden. Bei den fünf Regionen bzw. Ländern handelt es sich um Chile, Indien, Kanada, Schottland und Norwegen. In den fünf Regionen warten zwei Punkt-zu-Punkt-Rennen, zwei  Strassenkurse und drei klassische Rennkurse auf euch. Die Punkt-zu-Punkt-Rennen und die Strassenkurse können vorwärts und rückwärts befahren werden.

Die Jungs und Mädels von Evolution Studios wissen auf jeden Fall, wie ein Streckendesign aussehen soll. Die Strecken bieten einen gesunden Mix aus schnellen und langsamen Passagen. In der kostenlosen PS+ Version ist übrigens „nur“ die Region Indien enthalten.

Ja, abwechslungsreicher hätten die Rennstrecken nicht sein können. Mit unserem Edel-Boliden rasen wir durch den tiefen Regenwald in Indien, ein anderes Mal müssen wir mit der schneebedeckten Strasse in Kanada zurechtkommen. Im Prinzip muss man sich in jedem Rennen auf eine neue Unterlage einstellen.

Obwohl wir uns vor allem auf die Rennstrecke konzentrieren mussten, entging uns die wunderschöne und detailverliebte Umgebung nicht. Am Strassenrand machen sich beispielsweise Zuschauer mit Fahnen bemerkbar oder es steigen Luftballons in die Höhe. Auf den langen Getreidefeldern sind Bewässerungsanlagen im Einsatz. Auch passiert man immer wieder malerische Dörfer, hohe Brücken oder sehr schöne Tunnels. Ja, das alles sorgt für ein Next-Gen-Erlebnis, wie wir es so in einem Rennspiel noch nicht erlebt haben.

Alle Regionen haben etwas gemeinsam: Sie sehen einfach verdammt gut aus. Ja, meine Lieben: DAS nennt sich Next-Gen-Racing! Hervorheben möchten wir natürlich auch das Beleuchtungsmodell, das in DriveClub auf ganzer Linie überzeugen kann. Ich persönlich habe bisher noch nie ein Rennspiel gesehen, dass mit einem solch schönen Beleuchtungsmodell ausgestattet ist. Die Messlatte wird damit enorm nach oben gesteckt!

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Sound so la la
Was die Optik angeht, haben die Evolution Studios alles richtig gemacht. Das können wir bei der Soundkulisse leider nicht behaupten. Die Motorengeräuschen kommen nicht richtig über, irgendwie hören sie sich einfach „flach“ an. Und dann haben wir da noch die nervenden Quitschgeräusche der Reifen, die einfach zu künstlich wirken. Der Soundtrack ist standardmässig gar nicht aktiviert, was auch gut so ist – die Musikauswahl ist leider sehr – sagen wir mal – bescheiden.

Fazit
DriveClub zeigt eindrücklich was die Hardware der PlayStation 4 leisten kann. Was die Optik und das Streckendesign angeht, kann momentan kein anderer PS4-Racer mithalten. Auf der anderen Seite gibt es mehrere Punkte die uns leider etwas enttäuscht haben. Angefangen beim etwas mageren Umfang, 50 Fahrzeuge sind nicht die Welt und Anpassungsmöglichkeiten gibt es, abgesehen von einem Logo und der Lackierung, leider auch nicht wirklich.

Die Evolution Studios haben den Fokus stark auf den Multiplayer-Modus gesetzt,  aber genau der Multiplayer-Modus schwächelt im Test. Weshalb kann ich nur mit maximal fünf Spieler einen Club gründen? Und weshalb kann ich nur einem einzigen Club angehören? Weshalb kann ich keine privaten Rennen austragen? Fragen, die ich leider nicht beantworten kann. Und dann haben wir da noch das Strafsystem, das mich mehr als nur einmal auf die Palme gebracht hat.

Ja, DriveClub sieht umwerfend aus und setzt vor allem bei der Beleuchtung neue Maßstäbe, unterm Strich gibt es aber zu viele Punkte die eine bessere Wertung zunichtemachen.

Wertung

Gameplay - 80%
Grafik - 82%
Sound - 79%
Umfang - 83%
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Über Bruno Rivas

Gründer von PS3Blog.ch. Seit Jahren begeisterter und leidenschaftlicher Gamer. Spielt vorwiegend Sport-, Racing- und Shooter-Games. Du findest mich auch auf Google+, Facebook und Twitter

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