Testbericht: Dark Souls

Mein liebstes Dark Souls

Mit dir unzählige Stunden zu verbringen ist der virtuelle Höhepunkt meines Abends. Kein anderes Videospiel fesselt mich so intensiv an meinen überteuerten Fernseher. Du lässt in mir das Blut erzittern und mein Herz erglüht in deinen virtuellen Welten.

Du kleines Miststück, ich hatte meinen Schild oben, OBEN! Wie kannst du mich töten obwohl ich die Deckung höher als der Mount Everest hatte? Verdammtes untotes Pack! Wenn ich erst meine Seelen wiederhabe, dann gibt es sowas von in die Fresslucke dass ihr für den Rest eures erbärmlichen 1/0-Lebens nicht mehr stöhnen könnt!

Manchmal streife ich einsam in deinen weiten Welten umher, oh geliebtes Dark Souls, immer auf der Suche nach neuen Geheimnissen die du so gut vor mir hütest. In welche Tür wohl dieser Kellerschlüssel Verlies Süd passen wird? Was hat das Krähennest für eine Bedeutung? Süsse Ungewissheit, ermächtige dich mir und erschüttere meine verwöhnte Gamerseele bis in ihre Grundfeste.

Hau ab du verfluchter Drache! Lass mich über diese Brücke, ich muss da runter. Ich MUSS! Scheissdreck, meine Rüstung ist überhaupt nicht feuerfest. Und ihr kleinen Armbrustschützen verpisst euch, ich MUSS DA DURCH!!!!!!!!!!!eins11elf

Eine Liebeserklärung

Verzeiht mir die fäkalisierte Sprache, aber leider bringt nur sie am besten zum Ausdruck, was dieses Game an Wechselbäder der Gefühle vermittelt. Himmelhoch jauchzend, überglückliche Erfolgsgefühle, zu Tode betrübt, deprimiert und dem virtuellen Selbstmord nahe, all diese Gefühle erlebte ich in langen Abenden mit Dark Souls.

Eins vorweg, das Spiel ist technisch nicht perfekt. Es lassen sich Dinge wie unspektakuläre Grafik, zum Teil hakelige Steuerung, karge Sounduntermalung (Bossgegner abgesehen, denn dort ist sie spitze), nur ein Schwierigkeitsgrad: Zum kotzen schwer, Kamera die sich mitunter selbst im Weg ist, teilweise Ruckler, fehlende Karte/Questlog/Erklärung/Hilfe, bemängeln.

Und jetzt kommt das grosse Aber

Aber, das Spiel überzeugt mich dennoch. Vielleicht ist es die Erinnerung an die alten Tage, damals als die Games noch keine eingebauten „Ich-helfe-dir-immer-und-überall-bitte-Hirn-abschalten“ Funktionen hatten, in denen noch selbst eine Karte gezeichnet oder die passenden Antworten von Hand aufgeschrieben werden mussten. Eine Zeit die uns verwöhnte Gamer alles abverlangt hat, in der noch echtes Können und nicht virtuelle Hilfen der Schlüssel zum Erfolg waren. Vielleicht ist es aber auch das ungemein befriedigende Gefühl, dem Taurus Dämon auf der Brücke so richtig eins über den Schädel gehauen zu haben. Das Gefühl, besser als das Game zu sein, die Gegner verdient geschlagen zu haben. Oder sich einer eigenen, heimtückischen Taktik bedient zu haben die im Game wohl nicht vorgesehen war. Fresst das, ihr fiesen Entwickler von From Software! Ja, ich gebe es zu. Den Taurus Dämon auf der Brücke habe ich nur dank eines kleinen Leitern-Tricks geschafft. Hey, ich musste mir was einfallen lassen, der hat mich regelmässig zu Brei gehauen.

Dieses Video zeigt einen Zusammenschnitt diverser Ableben. Als eher nichts für zarte Gemüter. Gilt übrigens für das ganze Game.

Résumé

Beim Schreiben dieses Reviews habe ich unzählige Textabschnitte wieder gelöscht. Ich suchte verzweifelt eine Erklärung warum mir Dark Souls so viel Spielspass bereitet. Natürlich ohne einen übermässigen Hang zum Masochismus zu entblössen. Ich kann es nicht schlüssig erklären. Es ist diese Art, dieser eigenwillige Zauber von Dark Souls der mich gefangen nimmt.

Es ist die Grenze, dir mir als Gamer bei jedem neuen Gegner aufgezeigt wird. Nur der Stärkste überlebt jeden Zweikampf. Es ist das Gefühl von Freiheit, das nur durch meine eigene Unfähigkeit eingegrenzt wird. Ich könnte die ganze Karte nach Belieben erkunden, würde ich nicht immer bei jedem Gegner zigmal sterben. Es ist das Herzklopfen, welches jedes Mal einsetzt wenn sich der nächste Boss auf mich stürzt. Es ist die Anspannung, die mich beim Erkunden der düsteren Gänge beschleicht. Die nächste Biegung könnte wieder tödlich sein. Es ist die Konzentration, die ich für jeden Gegner immer wieder von Neuem aufbringen muss. Es ist der Frust über das erneute Ableben, und über die verlorenen Seelen die mühsam beschafft wurden. Es ist die Grosszügigkeit, mit der ich über kleine technische Fehler hinwegsehe um das ganze Kunstwerk zu geniessen.

Es ist das Gefühl, alles schaffen zu können. Und doch immer wieder daran zu scheitern.

Danke From Software, es war mir ein Vergnügen.

Entwickler: From Software
Publisher: Namco Bandai Games
Release: 7. Oktober 2011
Ab 16 Jahren geeignet

Bewertungsskala (1 Stern = schlecht / 5 Sterne = Meisterwerk!)

Wir vergeben 4.5 von 5 möglichen verlorenen Seelen!

Über Bruno Rivas

Gründer von PS3Blog.ch. Seit Jahren begeisterter und leidenschaftlicher Gamer. Spielt vorwiegend Sport-, Racing- und Shooter-Games. Du findest mich auch auf Google+, Facebook und Twitter

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