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The Elder Scrolls V: Skyrim

Der Wagen holpert auf einer gepflasterten Strasse entlang. Vor mir sitzt dieser Kerl, sieht ein bisschen aus wie Thor, und plappert munter auf mich ein. Neben mir befindet sich ein Mann der schon bessere Tage gesehen hat. Das Quartett schliesst ein feiger Pferdedieb ab, der sich vor Angst bereits in die Höschen macht. Alle sind gefesselt und geknebelt. Plötzlich folgt uns ein berittener Soldat der unseren Kutscher anweist, den hölzernen Wagen in die nächste Festung zu fahren. Dort wird abgestiegen und wir werden der Kommandantin dieses netten Fleckchens Erde vorgestellt. Der Pferdedieb will sofort das Weite suchen. Nun ja, weit ist er nicht gekommen. Dann werden die Namen der Gefangen verlesen. Mein Name steht nicht auf der Liste die der Herold verliest. So muss ich wohl oder übel auf seine Frage nach meinem Namen antworten. Sobald sie alle Gefangenen notiert haben, wird der erste zum Richtblock gebeten. Eins, zwei und Zack, da rollt der Kopf bereits über den Boden. „Der nächste bitte“ schreit die Kommandantin und blickt dabei in meine Richtung. Das war‘s wohl, leb wohl du frostige Welt von Himmelsrand. Es war schön, wenn auch nur ein kurzes Debüt. Doch halt, dieser Lärm. Woher kommt er bloss? Was ist das über mir? Nein, das kann nicht sein…

Herzlich willkommen in Himmelsrand, dem nördlichsten aller Länder von Tamriel. Nachdem sich die Geschichte mit dem eingangs erwähnten Tutorial aufgewärmt hat, geht es auf in die weite, weite Welt. Mein Charakter ist bereit, sich auf die unzähligen Strassen von Himmelsrand zu begeben und die wundersamsten Abenteuer zu bestehen.

Ja, kann sich sehen lassen
Die Welt von Himmelsrand ist schlicht umwerfend. Als ich das erste Mal über die verschneiten Hänge eines Berges gestapft bin, der Wind unbarmherzig den lockeren Schnee umher geweht hat und der perfekt passende Soundeffekt dazu gespielt wurde, da wusste ich es. Dieses Spiel wurde mit Liebe zum Detail entwickelt. Auch wenn die PS3 der Grafik von einem PC leider den Vortritt lassen muss, so sieht die Welt dennoch überzeugend aus. Verschneite Hänge und Tannen, der Schnee knirscht unter den Stiefeln, Hasen rennen aufgeschreckt von mir weg und ein Fuchs beäugt mich voller Misstrauen aus der Ferne, bevor er dann auch das Weite sucht. Ich stehe vor einem tossenden Wasserfall oder erblicke den wunderschönen Baum des Lebens, erklimme die Hänge zum Hals der Welt und geniesse die Fernsicht von den Gipfeln. Grafik und Sound ergänzen sich perfekt und tragen immer zu einer glaubwürdigen Atmosphäre bei. In Skyrim hat es in den ersten paar Minuten mehr geschneit als bei uns den ganzen November über. Ok, auch nicht weiter schwer, aber dennoch begeistert mich der plötzliche Wetterumschwung oder der Tag- und Nachtwechsel immer wieder aufs Neue. Die langen Ladezeiten sind ein kleiner Wehrmutstropfen auf die sonst so überzeugende Leistung der Engine.

Dieses Video unbedingt in der Auflösung 1080p Vollbild und mit aufgedröhnten Boxen ansehen, es lohnt sich!

Fallout? Nein, Skyrim!
Spielerisch fühlt sich Skyrim eigentlich wie Fallout (3 oder New Vegas) an. Erfahrene Rollenspieler oder Fallout-Jünger werden sich mit der Spielmechanik sofort anfreunden, alle anderen werden im Tutorial in die wichtigsten Elemente eingeführt. Leider hat es Bethesda ein bisschen verpasst alle Mechaniken genau zu erklären, das Tutorial behandelt nur die grundlegende Steuerung damit der Spieler nicht in den ersten paar Minuten bereits ins Gras beisst. Feinheiten wie die Verzauberung oder die Tricks des Schleichens müssen selbst herausgefunden werden.

Ich habe die Freiheit, die mir Skyrim im entwickeln meines Charakters lässt, sehr zu schätzen gelernt. Es steht jedem Spieler frei so zu spielen, wie es einfach passt. Der Charakter lässt sich nur entwickeln, wenn die entsprechenden Talente auch rege genutzt werden. Ihr wollt ein starker Magier werden? Ganz einfach, braucht nur noch Magie um euch zur Wehr zu setzen. Oder lieber ein klasse Dieb? Dann wird geschlichen, aus den Taschen geklaut und überzeugt/gedroht was das Game hergibt. Doch lieber ein Schwertkämpfer, der zur Not seine Gegner mit Feuer verbrutzeln kann? Auch das ist selbstverständlich möglich. Der Charakterentwicklung ist keine Grenze gesetzt. Das Schlussresultat ist ein Spiegel der Spielweise des Gamers. Danke Bethesda, dass ihr diese Mechanik nicht verändert habt, bereits Oblivion hatte keine starren Charakterklassen mehr.

Über eine fehlende Moralinstanz habe ich mich nur zu Beginn gewundert. Wenn in Fallout noch jede Handlung eine Konsequenz im Gut/Böse-Barometer hatte, so könnt ihr in Skyrim tun und lassen was ihr wollt. NPC’s meucheln am Laufmeter (ausser die Kinder und wichtige NPC’s) ist ebenso möglich, wie den ganzen Tag über Holz zu hacken. Die Handlungen, egal wie widerwärtig sie auch sein mögen, haben keinen Einfluss auf den Ruf eures Charakters. Das gute dabei ist, dass auch ich dadurch auch einmal den Weg des Bösen beschreiten darf. Sonst hätte ich mich an die Quests der hellen Seite gehalten. Ja, ich spiele immer das Gute, ich kann gar nicht anders. Doch hier, hier kann ich so richtig gemein sein. Diebesgilde, die dunkle Bruderschaft, Söldnergruppen, sie alle haben moralisch fragwürdige Quests auf Lager. Nur her damit, jetzt bin ich endlich in der Lage diese zu spielen. Und ich freue mich darüber auch die andere Seite des Gewissens ausprobieren zu dürfen. Moralinstanzen werden überbewertet.

Apropos Quest
Himmelsrand hat viel für den wackeren Wanderer zu bieten. Idyllische Dörfer, grosse Städte, verschneite Berge und Täler, freundliche Einwohner und fleissige Handelsleute, kampferprobte Krieger und nicht zuletzt die Drachen, die nach Himmelsrand zurückgekehrt sind. Und überall lauern Quests und Gebiete, die erforscht werden wollen. Fast jedes Gebiet ist von Anfang an zugänglich (einige wenige sind der Hauptstory vorbehalten). Ich verspreche euch, ihr werdet unzählige Stunden mit Entdecken verbringen. Eine kleine Kostprobe davon.

Ich war auf dem Weg von Markarth nach Weisslauf, zu Fuss versteht sich natürlich, sonst entgeht mir ja alles. Da habe ich doch eine nette Ruine in den Hängen entdeckt. Oooooh, das sieht aber spannend aus. Aber ich wollte doch nach Weisslauf… Egal, ein Abstecher in eine Ruine hat noch niemandem geschadet. Vor der Tür kurz mit ein paar Untoten aufgeräumt und rein in die Vorhalle. Dort wurde zwar eine vertrocknete Mumie aufgebahrt, ansonsten entpuppte sich dieser grosse Raum als Reinfall. Nun ja, von den überzeugenden Lichteffekten einmal abgesehen. Doch halt, ein Seitengang führt in die Tiefe. Genau, das riecht nach massenhaft Plunder zum einpacken und Gold zum räubern. Schwert und Schild gesattelt ging es runter in die Katakomben. Hinter der ersten Ecke lauert auch schon der nächste Untote. Der Schwierigkeitsgrad war merklich angestiegen, die Untoten liessen sich nicht einfach nur mit wenigen Schlägen niederstrecken. Konzentration war angesagt. Durch gekonntes Schleichen und Bogenschiessen konnte ich ein paar der wandelnden Leichen bereits aus der Ferne erledigen. Dann plötzlich ein Sarkophag inmitten einer grossen Halle. Mist, geht leider nicht auf. Doch was ist das? Zwei leere Steckplätze sagen mir, dass sie mit irgendwas gefüllt werden möchten. Dann wird sich der Sarkophag wohl öffnen. Auf in die Nebenräume, suchen wir die passenden “Schlüssel”.

Die Gegenstände sind beschafft, auch wenn die Untoten massive Gegenwehr geleistet haben. Ich hasse zaubernde Krieger, egal ob lebend oder untot. Die zwei Gegenstände haben sich übrigens als Schädel herausgestellt. Nicht überraschend war, dass sich die Besitzer der Schädel nicht ohne Weiteres von ihnen trennen wollten. Jetzt gehören sie aber mir und öffnen den Weg zu Reichtum. Hoffe ich jedenfalls. Schwupp und beide sind im Sarkophag eingelassen. Was haben wir denn Schönes da drin? Ach du heilige Mutter von Talos! Ein schwebender, zaubernder, untoter, und dazu noch verflucht starker Magier. Nimm die Beine in die Hand, gegen den kommst du nicht an. Hinter unzähligen Türen versteckt wartete ich, bis der Magier das Interesse an mir verloren hatte. Mit einer kleinen List und viel Geduld habe ich auch ihn erledigt. Nun kann ich endlich sehen was meine Belohnung ist. Im Häufchen Asche entdecke ich die Zaubermaske des Magiers. Nicht viel Rüstung, aber ohalätz, Schutz gegen Feuer-, Eis- und Blitzzauber. Jaaa, das hat sich doch gelohnt. Als ich wieder aus der Ruine trete, habe ich nach einem Blick auf meine Uhr festgestellt, dass ich bereits zwei Stunden an diesem Ort verplempert hatte.

Und so geht es mir ständig. Skyrim bietet so viele Quests und interessante Plätze, meine Karte quillt bereits über voller Questmarker und Orten, die ich noch entdecken muss oder will. Ja, die Welt von Skyrim ist gross und die Menge an Quests einfach riesig. Perfekt für jeden Rollenspieler mit Entdeckerdrang und viel Zeit. Die Quesst sind teilweise auch sehr abwechslungsreich gestaltet. Ich empfehle jedem die Drink-Quest in der Taverne anzunehmen, das Resultat hat mich mehrmals zum Lachen gebracht. Nein, ich verrate nicht welche Taverne es war, dass müsst ihr schon selbst rausfinden.

Und zum Schluss…
Skyrim bietet alles was ein RPG-Herz begehrt. Überzeugende Grafik, Sound der sich einschmeichelnd an alle Situationen anpasst, tonnenweise Quests und Herausforderungen. Ich könnte mir gar kein besseres RPG wünschen. Wenn ihr mich jetzt entschuldigt, auf mich wartet eine Räuberhöhle die erforscht werden will. Ich bin dann mal in Himmelsrand, bestimmt noch eine sehr lange Zeit.

Entwicklerstudio: Bethesda Game Studios
Publisher: Bethesda Softworks
Release am: 11. November 2011

Achtung, erst ab 18 Jahren geeignet!

Über Bruno Rivas

Gründer von PS3Blog.ch. Seit Jahren begeisterter und leidenschaftlicher Gamer. Spielt vorwiegend Sport-, Racing- und Shooter-Games. Du findest mich auch auf Google+, Facebook und Twitter

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